– DJK Karlsruhe-Ost setzt Zeichen für Erinnerung und Menschlichkeit

Vereinsleben bedeutet für uns weit mehr als nur Sport. Die DJK Karlsruhe-Ost versteht sich als eine Gemeinschaft, in der Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Alter, ihrem Glauben oder ihren persönlichen Lebensumständen willkommen sind. Respekt, Toleranz, Offenheit und ein wertschätzendes Miteinander bilden die Grundlage unseres Vereinslebens. Diese Werte möchten wir nicht nur auf dem Sportplatz oder in der Sporthalle vermitteln, sondern auch darüber hinaus leben. Dazu gehört für uns, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, Haltung gegen Ausgrenzung und Diskriminierung zu zeigen und die Erinnerung an die dunkelsten Kapitel unserer Geschichte wachzuhalten. Denn wer sich seiner Vergangenheit bewusst ist, kann die Zukunft verantwortungsvoll mitgestalten.

Am 10. Oktober 2026 nahmen unser 1. Vorsitzender Bernd Breitkopf und unser 2. Vorsitzender Dominik Nagel an der Gedenkveranstaltung „Gegen die Macht des Vergessens“ auf dem Karlsruher Hauptfriedhof teil. Die Gedenkveranstaltung zum Welttag der seelischen Gesundheit wurde von der Regionalgruppe Karlsruhe der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP) und dem Bürgerverein Oststadt organisiert. Das Lutherforum Karlsruhe und die DJK Karlsruhe-Ost begleiteten die Veranstaltung als Unterstützer. Als Teil der Oststadtgemeinschaft war es für unseren Verein ein besonderes Anliegen, sich an diesem wichtigen Gedenken zu beteiligen und damit ein Zeichen für Menschlichkeit, Zusammenhalt und eine lebendige Erinnerungskultur zu setzen.

Im Mittelpunkt der bewegenden Veranstaltung stand die Erinnerung an Menschen aus Karlsruhe, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft aufgrund psychischer Erkrankungen oder Behinderungen systematisch verfolgt und ermordet wurden. Auch Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup nahm an der Veranstaltung teil und erinnerte in seinem Grußwort an die Opfer und die Bedeutung einer lebendigen Erinnerungskultur.

„Sie gehörten zu uns“ – Zwei Schicksale aus der Karlsruher Oststadt

Ein besonders eindrucksvoller Teil der Gedenkveranstaltung stand unter dem Leitgedanken „Sie gehörten zu uns“. Im Mittelpunkt standen die Lebensgeschichten zweier Frauen aus der Karlsruher Oststadt, die Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde wurden. Ihre Biografien wurden während der Veranstaltung vorgestellt und auf bewegende Weise hörbar gemacht, musikalisch begleitet durch ein Veeh-Harfen-Trio.

Sofie Hahn, geboren 1896, lebte in der Humboldtstraße 28. Sie wurde 1923 in die Heilanstalt Illenau eingewiesen und am 17. Juni 1940 in die Tötungsanstalt Grafeneck gebracht, wo sie noch am selben Tag ermordet wurde.

Mathilde Koger, geboren 1908, wohnte in der Gerwigstraße 35. Bereits 1920 wurde sie in die Heilanstalt Mosbach eingewiesen. Auch sie wurde am 17. Juni 1940 nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.

Heute erinnern zwei Stolpersteine in der Karlsruher Oststadt an die beiden Frauen und ihre Schicksale. Sie machen deutlich, dass die Verbrechen der Nationalsozialisten nicht irgendwo weit entfernt geschahen, sondern Menschen aus unserer unmittelbaren Nachbarschaft betrafen.

Gerade dieser direkte Bezug zu unserem Stadtteil machte die Veranstaltung für die Vertreter der DJK Karlsruhe-Ost besonders eindringlich. Hinter den erschütternden Opferzahlen stehen einzelne Menschen mit Namen, Lebensgeschichten und einem Zuhause. Menschen, die einst Teil unserer Stadtgemeinschaft waren und deren Schicksale nicht in Vergessenheit geraten dürfen.

Eine besondere Verbindung zu unserem Verein

Eine besondere persönliche Bedeutung hatte die Veranstaltung für die DJK Karlsruhe-Ost auch durch Dr. Maria Rave-Schwank. Die ehemalige Direktorin der Psychiatrischen Klinik des Städtischen Klinikums Karlsruhe ist langjähriges Mitglied unseres Vereins und bis heute aktiv in unserer Fitnessabteilung beim Angebot „Fit im Sitzen“.

Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Krankenmorde und hat das Gedenkbuch „Gegen die Macht des Vergessens“ herausgegeben. Darin werden die Schicksale Karlsruher Opfer dokumentiert und vor dem Vergessen bewahrt. Als Sprecherin der DGSP-Regionalgruppe Karlsruhe wirkte sie zudem maßgeblich an der Gedenkveranstaltung mit.

Auch diese persönliche Verbindung machte die Teilnahme für unsere beiden Vorsitzenden zu einem besonderen Anliegen und zeigt, wie vielfältig das Engagement und die Lebensgeschichten der Menschen innerhalb unserer Vereinsgemeinschaft sind.

 

Ein würdevoller Abschluss am Ehrenfeld

Im Anschluss an die Beiträge und die musikalische Begleitung begaben sich die Teilnehmenden gemeinsam in einem stillen Gang zur Gedenkstätte Ehrenfeld B2 auf dem Karlsruher Hauptfriedhof. Dort wurde ein Kranz zum Gedenken an die Opfer niedergelegt. Auch die aktualisierte Informationsstele mit Hörstation wurde vorgestellt, die dazu beiträgt, die Erinnerung an die Opfer dauerhaft lebendig zu halten.

Die gesamte Veranstaltung war eindrucksvoll, bewegend und zugleich eine wichtige Mahnung, sich auch heute entschieden gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Menschenverachtung einzusetzen.

Für die DJK Karlsruhe-Ost ist klar: Menschlichkeit, Toleranz und Zusammenhalt enden nicht am Spielfeldrand. Als Teil der Oststadtgemeinschaft ist es uns wichtig, auch abseits des Sports Haltung zu zeigen, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten.

Denn Erinnern bedeutet auch, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.

 

Hintergrund: Die sogenannte „Aktion T4“

Die sogenannte „Aktion T4“ war ein systematisches Mordprogramm des nationalsozialistischen Regimes, dem allein zwischen 1940 und 1941 mehr als 70.000 Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie geistigen und körperlichen Behinderungen zum Opfer fielen. Unter dem menschenverachtenden Begriff der „Euthanasie“ wurden die Betroffenen aus Heil- und Pflegeanstalten in eigens eingerichtete Tötungsanstalten gebracht und dort ermordet.

Die Bezeichnung „T4“ geht auf die Adresse der damaligen Organisationszentrale in der Tiergartenstraße 4 in Berlin zurück. Auch rund 600 Menschen aus Karlsruhe wurden Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde. Obwohl die zentral organisierte Mordaktion 1941 offiziell gestoppt wurde, gingen die Morde bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs weiter. Insgesamt fielen ihnen nach Schätzungen rund 200.000 bis 300.000 Menschen zum Opfer.

Die Erinnerung an diese Verbrechen mahnt uns bis heute, die Würde jedes Menschen zu achten und entschieden gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Menschenverachtung einzutreten.

 

Bilder: Bernd Breitkopf – Text: Dominik Nagel
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